Rauchfangswerder, der südlichste Punkt Berlins

Kilometerweit nur Wald, von drei Seiten eingerahmt durch Seen. Eine Landschaft, so einsam und schön wie die Tundra Sibiriens oder Kanadas Wälder an der Ostküste. Doch auch das ist Berlin, es ist Rauchfangswerder, der verzaubert wirkende Südosten der Hauptstadt.

Eigentlich ist Rauchfangswerder nur eine Siedlung mit etwa 500 Einwohnern, die, amtlich betrachtet, zum Berliner Ortsteil Schmöckwitz gehört. Doch wer in Schmöckwitz angekommen ist, der ist noch einige Kilometer weit weg von Rauchfangswerder. Um dorthin zu gelangen, steht erst einmal eine Fahrt auf schnurgerader Strecke durch endlos scheinende Nadelwälder an. Tatsächlich sind es gut 5 Kilometer, bis der Besucher ans südliche Ende der Halbinsel gelangt und damit in die Siedlung Rauchfangswerder, westlich begrenzt durch die Dahme, östlich durch den Crossinsee und politisch durch die Grenze zu Brandenburg. Wie der seltsame Name Rauchfangswerder zustande kam, ist nicht geklärt. Nachgewiesen ist, dass der Pächter Martin Barnack im Jahr 1743 die erstmalige Besiedlung vornahm. Ob er auch der Namensgeber war, lässt sich nicht mehr eruieren. Immerhin bezeichnet der Namensteil „Werder“ eine Insel oder eine Halbinsel, was aufgrund der Geografie nachvollziehbar ist. Eine Idee bezüglich des „Rauchfangs“ könnte sein, dass sich dies aus dem Räuchern von Fischen ableitet, denn der Fischfang war über Jahrhunderte entlang der Dahme und der Spree einer der Haupterwerbszweige. Der riesige Nadelwald, der sich nördlich von Rauchfangswerder erstreckt, besaß eine nur relativ geringe wirtschaftliche Bedeutung. Heute dient er als Naherholungsgebiet für gestresste Berliner, wenn sie denn wissen, wo dieses einzigartige Stück Natur in der Großstadt zu finden ist.

Einst ein Künstlerviertel der DDR, heute beschaulicher Wohnort

In Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates siedelten sich in Rauchfangswerder vornehmlich staatlich protegierte Künstler an, die hier wahrhaft Ruhe und Einsamkeit fanden, um sich künstlerisch auszutoben. Noch heute finden sich weder Industrie noch andere größere Gewerbe in der Siedlung, die hauptsächlich aus schmucken Ein- und Zweifamilienhäusern besteht. Diejenigen Gebäude mit Zugang zum Wasser besitzen obligatorisch einen Bootssteg und natürlich hat sich inzwischen auch ein kleiner Yachthafen angesiedelt, denn so ein idyllisch gelegener Ort zieht selbstverständlich auch die Reichen und Schönen an, weshalb sich auf den Ufergrundstücken längst eine imposante Villa neben der anderen reiht.

Trotzdem gibt es immer noch die Alteingesessenen, die ihre Herkunft von den ersten Siedlungsgründern ableiten. In den mehr als 250 Jahren Einsamkeit aus Wald- und Wasserlandschaft hat sich so die eine oder andere Merkwürdigkeit gebildet. Zum Beispiel einer der ganz wenigen privaten Friedhöfe in Deutschland. Eigentlich ist die Bestattung von Menschen grundsätzlich eine landespolitisch regulierte Angelegenheit, doch Rauchfangswerder war schon immer so weit vom Schuss, das die Behörden es den Siedlern von Anfang an selber überließen, ihre Verstorbenen zu bestatten. Diese Freiheit wurde jedoch nur gewährt, wenn die Siedler auch die Bestattung von Selbstmördern übernahmen, die sich hin und wieder einen Baum im Wald aussuchten oder von der Dahme ans Ufer gespült wurden. Heute gibt es den Privatfriedhof noch immer und noch immer im Besitz einer der Nachfahren der ersten Siedler, allerdings sind nur noch Urnenbestattungen erlaubt, da sich Schmöckwitz und damit auch Rauchfangswerder im Wasserschutzgebiet Berlins befinden.

Wer die scheinbare Endlosigkeit von Nadelwäldern liebt und sich zugleich an einsamen Ufern tummeln will, ist auf der Halbinsel von Rauchfangswerder genau richtig, wobei jede Jahreszeit ihren Reiz besitzt, zumal die Großstadt nur wenige Autominuten entfernt ist.

Juli 2020

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