Das Gedächtnis des DDR-Terrors

Nicht alles war schlecht in der DDR, doch mit der Stasi verband niemand je etwas Gutes im Arbeiter- und Bauernstaat.

Wie in vielen totalitär geführten Staaten war auch in der DDR der Geheimdienst eine mächtige Waffe der politischen Führung, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Der Staatssicherheitsdienst, kurz Stasi, beeinflusste das Leben der Menschen bis weit in die familiären Beziehungen hinein. Niemand konnte dem anderen wirklich vertrauen und genau das war beabsichtigt. Trotzdem konnten sich die Bürger der DDR im Jahr 1989 vom Terrorregime der Stasi und des Staates befreien und dies völlig unblutig.

Im Jahr 1991 wurde eine Behörde gegründet, die bis heute einmalig auf der Welt ist. Eine Behörde, die die gigantischen Berge an Informationen verwaltet, die von der Stasi in der Zeit des Bestehens der DDR zusammengetragen wurden. Zusammengestellt ergeben die Aktenordner eine Strecke von 111 Kilometer Länge. Jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland, ob nun ehemaliger DDR-Einwohner oder aus den alten Bundesländern stammend, besitzt das Recht, in dieser Behörde nachzuforschen, ob und was die Stasi über sie oder ihn erfasst hat. Es ist die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), den meisten Menschen nach dem Namen des ersten Bundesbeauftragten bekannt, dem Rostocker Pastor Joachim Gauck.

Die Gauck-Behörde, Verwalter der DDR-Vergangenheit

Es ist ein sachlich-nüchterner Bürobau, nur wenige Hundert Meter vom Alexanderplatz in Berlin entfernt, in dem die Gauckbehörde ihren Sitz hat. Keine pompöse Gedenkstätte oder etwa ein Museumsbau. Hier werden 43 der 111 Kilometer an Stasi-Unterlagen aufbewahrt. Der Rest verteilt sich auf 12 Außenstellen, verteilt über die neuen Bundesländer. Die Nüchternheit des Gebäudes sollte den Besucher nicht darüber hinwegtäuschen, das hier die nicht selten tragischen Schicksale von Millionen Menschen festgehalten sind. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, in denen Trauer, Schmerz, Leid, Terror, staatliche Willkür und Verrat in so großem Umfang wortwörtlich manifestiert und dokumentiert sind.

Natürlich lässt sich die Gauckbehörde in der Karl-Liebknecht-Straße 31 / 33 besichtigen, ohne jedoch ein konkretes Ziel zu haben, etwa die Nachfrage nach eventuell bestehenden Unterlagen über sich selbst oder Familienangehörige, wird es zu einem Besuch wie zum Beispiel beim Finanzamt. Es ist dann nur das Wissen darum, was sich in diesen Mauern an Ungeheuerlichkeiten verbirgt, begangen durch die Behörden der DDR. Immerhin haben seit der Eröffnung der Gauckbehörde 3,2 Millionen Menschen Anträge auf Akteneinsicht gestellt und bis heute, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, sind es pro Jahr weitere 40.000 Anträge.

2019, das Ende der Gauckbehörde

In diesem Jahr stellen sich die Weichen für die Gauckbehörde. Die Arbeit selbst wird keineswegs eingestellt, sie ist bezüglich der Aufarbeitung noch nicht einmal beendet. Längst nicht alle Akten sind digitalisiert und registriert. Doch die Behörde selbst wird von 2020 an dem Bundesarchiv unterstellt und wird dementsprechend in einen anderen Bau umziehen. Ein Teil der Aufgaben wird dann auch in ein Gebäude verlagert, das ein sichtbares Zeichen des Unterdrückungsapparates der DDR war, das Haus 1 des Ministeriums für Staatssicherheit, die Berliner Stasi-Zentrale. Wer hierher zum Verhör beordert oder gebracht wurde, musste damit rechnen, aus der Öffentlichkeit spurlos zu verschwinden.

Heute ist in dem Gebäude das Stasimuseum untergebracht und was in der Gauckbehörde an Ordnern und Protokollen zu finden ist, wurde größtenteils hier erstellt. Die Mittel dazu, von der Abhörwanze bis zu Folterinstrumenten, werden im Stasimuseum in der Ruschestraße 103 ausgestellt.

September 2019

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